Freiburg-Madison-Gesellschaft e.V.

 

 

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Die Gründung der Partnerschaft mit Madison

von Irmgard Feix

 

Als Folge des NATO-Doppelbeschlusses im Dezember 1979 kam Mitte der 80er Jahre im Freiburger Gemeinderat der Wunsch auf, eine Partnerschaft mit einer amerikanischen und gleichzeitig mit einer Stadt in der Sowjetunion abzuschließen. Der Vorschlag einer amerikanischen Städtepartnerschaft fiel in Freiburg sofort auf fruchtbaren Boden. Schon in Nachkriegszeiten kann das Verhältnis Freiburgs zu den USA als ausgesprochen freundlich bezeichnet werden. Das 1952 gegründete Amerikahaus – seit 1969 den Freiburgern allgemein unter dem neuen Namen „Carl-Schurz-Haus“ bekannt - erfreut sich seit seiner Gründung vor 60 Jahren mit seinen zahlreichen Veranstaltungen und seiner umfangreichen Bibliothek großer Beliebtheit.

 

Die Aufgeschlossenheit der Freiburger Bevölkerung Amerikas Kultur und seinen Errungenschaften gegenüber spiegelt sich in dem vielfältigen und kulturell weit gefächerten Angebot diesbezüglicher Institutionen. Eine besonders große Anzahl Freiburger Bürger engagiert sich in den zahlreichen in Amerika gegründeten und inzwischen internationalen Charity-Clubs (Kiwanis, Rotary, Lions, Soroptimist und Zonta). Auch die mit dem Carl-Schurz-Haus eng verbundenen Quilt-Clubs und die Freiburger Square-Dance-Clubs verzeichnen viele Mitglieder. Freiburg hat in diesem Sektor sogar etwas Exotisches zu bieten: einen „Wild-West-Club“ und zwei Indianerclubs, den „Sioux-West e.V.“ und den „Mescalero-Apachen-Club e.V.“.

 

Bei einer so starken amerika-freundlichen Basis verwundert es nicht, dass der Vorschlag des damaligen Oberbürgermeisters Dr. Rolf Böhme, eine amerikanische Partnerschaft zu gründen, in den 80-er Jahren im Gemeinderat auf positives Echo stieß.

 

Der letzte amerikanische Direktor des damaligen „Amerika-Hauses“, Mr. Albert Hemsing, war bereits bei seinem Abschied 1983 auf dem Weg zurück in die USA gebeten worden, sich nach einer geeigneten Partnerstadt umzuschauen. Auf Einladung des US -Außenministeriums an den Oberbürgermeister bereiste er im November 1986 zusammen mit seiner Frau Margret die vorgeschlagenen Städte, u. a. auch Madison in Wisconsin. Nur in Madison wurde über eine Partnerschaft gesprochen. Es hatte dort schon vorher Sondierungsgespräche gegeben, in denen Madison sein Interesse bekundet hatte. Es stellte sich heraus, dass beide Städte viele Gemeinsamkeiten haben. Auch der Anteil der deutschstämmigen Bevölkerung ist in Madison hoch, - viele Deutsche gingen als Folge der gescheiterten Revolution 1848 nach Wisconsins. Wie Freiburg wird auch Madison durch seine bedeutende Universität geprägt, - in beiden Städten ist sie der größte Arbeitgeber. Seit vielen Jahren bestanden enge Kontakte mit verschiedenen Fakultäten der beiden Universitäten und es fand auch ein intensiver Wissenschaftler - und Studentenaustausch statt. Hervorzuheben sind hier vor allem die Naturwissenschaften und die Wirtschaftswissenschaften.

 

Im Jahre 1961 wurde bereits an der hiesigen Universität ein Programm für Studenten der „University of Wisconsin in Madison“ und einiger anderer nord-amerikanischer Universitäten gegründet, das sich „Junior Year Abroad“ nannte. Seit 1997 wurde dieses Programm umbenannt in „Academic Year in Freiburg“. Hauptkoordinationsstelle für die Organisation dieses einjährigen Studienprogrammes ist die Universität von Wisconsin in Madison. Jedes Jahr bietet das „Academic Year in Freiburg“ ca. 50 jungen Amerikanern die Möglichkeit, ein Jahr lang zusammen mit deutschen Studenten an der hiesigen Universität zu studieren und so das Leben in Freiburg kennenzulernen. Durchschnittlich 20 davon kommen jedes Jahr von der University of Wisconsin in Madison. In den letzten 50 Jahren haben also ungefähr 1000 Studenten aus Madison ein Jahr in Freiburg gelebt, ein nicht zu unterschätzender Kennenlernprozess, aus dem schon einige deutsch-amerikanischen Ehen hervorgegangen sind.

 

Diese enge universitäre Beziehung zwischen beiden Städten bestand also schon lange bevor man an Städtepartnerschaften dachte und im Jahre 1986 die ersten Sondierungsgespräche führte. Im März 1987 erhielt Oberbürgermeister Dr. Böhme ein bedeutendes Schreiben aus Madison, unterschrieben von den vier Vorgängern des amtierenden Bürgermeisters Joseph Sensenbrenner. In ihm werden die Gemeinsamkeiten der beiden Städte hervorgehoben und der Hoffnung Ausdruck gegeben, dass beide Städte sich in einer Partnerschaft vereinigen. Dieser Brief ist in einem so warmen und freundschaftlichen Ton verfasst, dass damit auch die letzten Bedenken ausgeräumt waren.

Im Juni 1987 besuchte eine Delegation aus Madison unter Leitung des gerade wiedergewählten Bürgermeisters Joseph Sensenbrenner Freiburg, um sich ein Bild von der Stadt zu machen und um den Abschluss der Städte-partnerschaft zu planen. In der Delegation befanden sich neben einigen Privatpersonen auch fünf Kommunalpolitiker und Verwaltungsbeamte. Sie alle waren von ihrer zukünftigen Partnerstadt ebenso begeistert wie vom Schwarzwald, den sie auf einer Tagestour kennenlernten. Die Frau des Bürgermeisters aus Madison, Mary Ann Sensenbrenner, kannte Freiburg bereits, denn sie war eine der Junior Year Studenten und hatte im Rahmen ihres Jura Studiums ein Jahr in Freiburg verbracht .

 

Während des Besuchs der Delegation wurde beschlossen, im Frühjahr 1988 die Partnerschaft zwischen beiden Städten offiziell zu besiegeln. Vorbehaltlich der Zustimmung des Gemeinderats sollte die Partnerschaftsurkunde im Mai 1988 in Madison unterschrieben werden. Der Gegenbesuch der Amerikaner zur Unterzeichnung des Vertrags in Freiburg wurde bereits für den September anberaumt. Die ursprüngliche Idee, die sich aus dem NATO-Doppelbeschluss ergeben hatte und vom Gemeinderat angestrebt wurde, gleichzeitig mit einer amerikanischen Partnerschaft auch eine sowjetische zu begründen, wurde weiter verfolgt. Dafür hatte sich Pjatigorsk im Kaukasus angeboten . Daraus wurde allerdings nichts, doch als später ein Angebot der ukrainischen Stadt Lvov - der alten Habsburger Stadt Lemberg - vorlag, hatte Freiburg seine Partnerstadt im Osten gefunden.

 

Wie geplant startete eine Delegation der Stadt Freiburg unter der Leitung von Oberbürgermeister Dr. Böhme und Bürgermeister Evers im Mai 1988 zum Partnerschaftsbesuch in Madison. Der Delegation gehörten zehn Stadträte aus allen Fraktionen an. Als Gastgeschenk überreichten sie einen vom hiesigen Quilt-Club in einjähriger Arbeit angefertigten Quilt-Wandteppich mit Freiburger Motiven. (Wir hatten mehrfach die Gelegenheit diese schöne kunsthandwerkliche Arbeit im Vorzimmer des Bürgermeisters in Madison zu bewundern ). Die Freiburger Delegation kam bei Gesprächen und bei Rundgängen zu der einmütigen Überzeugung, dass Madison die ideale Partnerstadt für Freiburg ist. Madisons ganz besondere Lage auf einer Landenge zwischen zwei großen Seen, weithin sichtbar überragt von der riesigen Kuppel des State Capitols, bildet ein schönes Pendant zum vom Münsterturm gekrönten Freiburg mit seinen umgebenden Schwarzwaldbergen!

 

 

Am 31. Mai 1988 wurde die Partnerschaftsurkunde für Madison und Freiburg von Mayor Joseph Sensenbrenner und Oberbürgermeister Dr. Böhme bei einem Festakt offiziell unterschrieben. Es hatte in beiden Gemeinderäten keine Gegenstimme gegeben. Freiburg hatte nun seine fünfte Partnerstadt und mit Madison die erste außerhalb Europas!

 

To add: Kopie der Partnerschaftsurkunde

 

Der Gegenbesuch aus Madison erfolgte wie geplant vom 6. bis 11. September desselben Jahres. Am 7.September wurde die 15-köpfige Delegation unter der Leitung von Bürgermeister Sensenbrenner von Oberbürgermeister Dr. Böhme in der Aula des Rathauses offiziell begrüßt. Am folgenden Tag fand der Festakt im überfüllten Historischen Kaufhaussaal statt, bei der beide Stadtoberhäupter die Partnerschaftsurkunde nochmals unterschrieben.

 

In den Festreden betonten beide Bürgermeister nicht nur das Bemühen um die Sicherung des Friedens, sondern auch ihr gemeinsames Anliegen, eine intakte Umwelt zu bewahren als Voraussetzung für das Wohlergehen aller Menschen. Als Joseph Sensenbrenner seine Festrede mit dem berühmten Zitat „Ich bin ein Freiburger“ krönte, nahm der Applaus kein Ende. Für die zahlreichen Anwesenden war dieser Festakt eine denkwürdige Veranstaltung, - ein neues Kapitel in der Stadt war aufgeschlagen!

 

Aktualisiert am 25 Februar, 2017